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19.8.
Ich fuhle mich sehr seltsam; ich weiß nicht ob ich ein Recht oder einen gu[g|t]en Grund habe, jetzt hier zu leben. Ich habe kein wirkliches Bedürfnis nach Einsamkeit, noch einen überwältigenden Trieb zu arbeiten. Eine Stimme sagt: warte noch, dann wird es sich zeigen. Eine Stimme sagt: Du wirst es hier unmöglich aushalten können; Du gehörst nicht mehr hierher! – Aber was soll ich machen? Nach Cambridge? [d|D]ort werde ich nicht schreiben können. Ich sehne mich nach F[.|r]. Oder, ich fürchte, daß er sich nach mir sehnt & möchte sein, wo er ist. – [u|U]nd ich möchte sein, wo ich gebraucht werde. Freilich, – vielleicht sehe
ich es alles falsch an. Ich will nicht leiden. – So närrisch es scheint, so kommt es mir fast vor, als sollte ich sofort meine Sachen packen & nach Cambridge zurück fahren. – Anderseits ist auch das möglich: Ich sage mir (& meinen Freunden): ich werde hier 4-6, höchstens aber 8 Wochen bleiben, & dann nach England zu (bezw. Dublin) zurückkommen[.| (]D.v.). Ich kann mir vornehmen, es 4-6 Wochen hier auszuhalten & zu arbeiten & ich kann von F. verlangen, daß er es solange aushält! Dagegen kommt mir vor, als hätte ich kein Recht, bis Weihnachten hier zu bleiben; ganz abgesehen davon, daß ich mir nicht denken kann, wie ich es hier so lange würde treiben können. Eines
ist klar: ich bin jetzt hier – wie ˇ& warum immer ich hierher gekommen bin. So laß mich mein Hiersein benützen, soweit es geht.
     Ich kann mir nicht vornehmen, bis Weihnachten hier zu bleiben. (Wie ich es voriges Jahr getan habe.) Denn ich habe keinerlei Aussicht, eine solche Zeit mit Arbeit & Denken ausfüllen zu können! – Ich befinde mich jetzt ganz anders. – Wohl aber kann ˇ& soll ich mein Hiersein jetzt benützen, & denken & arbeiten: Aber nicht auf unbestimmte Zeit! Denn davor graut mir, & ich glaube, mit Recht. D.h. ich kann etwa 6 Wochen dableiben, wie immer meine Arbeit gehen sollte, habe ich aber nach dieser Zeit keinen klaren Grund zur A anzunehmen, daß ich hier besser arbeite als anderswo, dann
wird es Zeit zu gehen. Möge Gott geben, daß ich die Zeit, welche ich hier bin, gut benütze!
Es ist [h|s]ehr seltsam, daß ich mich – scheinbar vor lauter Panik – in den Beinen schwach fühle. Ist es das Klima?? – Es ist fürchterlich, wie leicht mich die Sorge übermannt! –