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Ich bin sehr verliebt in die R. freilich schon seit langem aber jetzt besonders stark. Dabei weiß ich aber daß die Sache aller Wahrscheinlichkeit nach hoffnungslos ist. D.h. ich muß gefaßt sein, daß sie jeden Moment sich
verloben & heiraten kann. Und ich weiß daß das sehr schmerzlich für mich sein wird. Ich weiß also daß ich mich nicht mit meinem ganzen Gewicht an diesen Strick hängen soll weil ich weiß daß er einmal nachgeben wird. Daß heißt ich soll mit beiden Füßen auf dem festen Boden stehen bleiben & den Strick nur halten, aber nicht mich an ihn hängen. Aber das ist schwer. Es ist schwer so uneigennutzig zu lieben daß man die Liebe hält & von ihr nicht gehalten werden will. – Es ist schwer ˇdie Liebe so zu lieben halten daß man, wenn es schief geht sie nicht als ein verlorenes Spiel ansehen muß sondern sagen kann: darauf war ich vorbereitet & es ist auch so in Ordnung. Man könnte sagen „wenn Du Dich nicht aufs Pferd setzt Dich ihm also ganz anvertraust so
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kannst Du freilich nie abgeworfen werden aber auch nie hoffen je zu reiten. Und man kann darauf nur sagen: Du mußt Dich dem Pferd ganz widmen & doch gefaßt sein daß Du jederzeit abgeworfen werden kannst.